Linuren
Ikonologie
Das Wesen der Linuren ist die Reduktion realer Inhalte auf abstrahierte lineare Elemente, welche auf einer ähnlichen Wirkungsebene fungieren, wie Schrift. So wie diese, nämlich die Schrift in bestimmter oszillierender Form, Signifikanten vergleichbar, Inhalte transportiert, liegt den Linuren in gleicher Weise Signifikantes zugrunde. Die Doppeldeutigkeit der Linuren zeigt sich sobald die Zeichnungen ihrerseits als Signifikate gesehen werden, die wiederum in Begriffe gefasst werden können, auf die referenziert wird. Das Signifikat der Existenz äußert sich im Signifikant der Linuren, während das Signifikat der Linuren die Bandbreite der Interpretationsmöglichkeiten dieser Zeichnungen frei gibt.
Linuren erfassen in ihrer Vielschichtigkeit nicht nur erzählerische und gedankenspielerische Inhalte, sie wollen durch ihre Schwingungen auch auf das Wesen der Grundelemente des Existenten hinweisen.
Eine entfernte Parallele zu den in Osvaldo Cavandoli als La Linea geformten Erzählungen, beruht auf der Tatsache, dass alles Neuerfundene stets nur Weiterentwicklung von Bestehendem sein kann. Bewusst und unbewusst nehmen Betrachtende visuelle Empfindungen wahr und verarbeiten diese. Ebenso fließen diese Wahrnehmungen wieder in Assoziationsketten ein. Das ist mit ein Grund, warum Linuren erzeugt werden, nämlich, um –unter anderem- bei den Betrachtenden Gedankenblitze zu erzeugen, wie es grundsätzlich bei Bildwerken der Fall ist.